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Hard Alpi Tour 2016

KarteHat2016earth>>Fotogalerie HAT 2016

Im Winter 2015/2016 rief mich Mirko an: “Hi, ich brauche noch einen Fahrer für ein Team bei der Hard Alpi. Hast Du Lust?”.

Was ich bis dahin wusste: Man fährt 24 Stunden auch durch die Nacht durch Ligurien und Piemont auf alten Militärstraßen. Unter dem Strich ist man mindestens 36 Stunden wach. Mirko erwischte mich auf dem richtigen Fuss.

Es dürfen nur Gruppen von mindestens drei Fahrern starten, was durchaus Sinn macht. Purzelt man nachts den Steilhang hinunter und man ist alleine, findet einen so schnell kein Mensch.

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Mirko war allerdings nur Vermittler, meine Teamkollegen waren KM aus Heilbronn und Michi aus Winterthur, der eine abgeschwächte Variante letztes Jahr schon gefahren war und uns mit seiner Erfahrung gute Dienste leisten konnte. Insgesamt waren wir drei auf der gleichen Wellenlänge und passten sehr gut zueinander. Beide fuhren eine R1200GS LC. Ich entschied mich allerdings gegen mein “Trophy.Bike”. Enduro- Raids fahre ich viel lieber mit meiner alten 2-Ventiler. 21” Vorderrad und vernünftige Stahlfelgen sind nur 2 Argumente.01_LEDs

Ein Feature an der alten Q bedurfte jedoch dringend noch der Verbesserung, das Licht. Kosten die “offiziellen” BMW-LED-Zusatzscheinwerfer 390,- €, kaufte ich in der Bucht für knappe 23,- ein komplettes Paar - allerdings ohne E1-Wapperl. Befestigt wurden die beiden Leuchtkörper an einem abgesägten Besenstiel, den ich schwarz anstrich und mit Kabelbindern an meiner Vorderradgabel befestigte. Funktionierte in Verbindung mit einem Schalter von Tante Louise bestens.

KM wohnt in Heilbronn, Michi in Winterthur und ich in der Nähe von Rosenheim. Letztlich mietet KM eine Transporter an und wir alle trafen uns bei Michi, um am Vortag mit den Bikes im Kofferraum nach Italien zu starten. Den Transporter parkten wir am Ziel in Sestriere und fuhren am gleichen Tag noch mit den Bikes nach Garessio, dem Startort, wo wir ein Zimmer klar gemacht hatten.

Um 21:30 war dort auch das Briefing. Eine Veranstaltung ohne jeglichen Informationsinhalt und nahezu komplett auf italienisch. Unmittelbar danach der Start der “Extreme”. Die Jungs (m/w) dürfen 2 Nächte ran, pennen am Vormittag nach der ersten und fahren dann die “Classik” mit.

10_GaressioStartSchließlich ging es auch für uns los. Am Samstag, 10. September um 15:00 fuhren wir vom Podest, die HAT hatte uns in den Klauen. Die ersten Kilometer auf Asphalt, dann ging es ab in die Berge. Wir wollten in der Führung durchwechseln. KM fuhr als erster, dann Michi, am Schluss ich. Das sollte sich bei den Versorgungspunkten jeweils ändern. Die Pisten selbst traumhaft und wie gemacht für uns. Aktuell fraß ich allerdings Staub.

Am Fuß des Coll du Tende die erste Station. Neben Pizzaschnitten gab es etwas mit Sardellen, super lecker, doch salzig ohne Ende. Nach der x-ten hörte ich auf, um nicht vor Durst unterwegs zu sterben.

Bei der Abfahrt wurde es dunkel. Michi löste KM in der Führung ab und machte ebenfalls einen super Job über die unzähligen Kehren hinauf auf den Pass und vorbei am Fort Central. Langsam gewöhnten wir uns an die Dunkelheit.

Um 00:30 erreichten wir einen Pass mit knapp 2.300 Metern. Sternklare Nacht,14_PassBeiNacht die Temperaturen entsprechend. Kurz danach wurde uns wieder warm. Die Abfahrt war Arbeit. Um 2:00 erreichten wir die nächste Station. Es gab eine Schinkensemmel aus der Tüte und Kaffee. Die ersten Kombattanten schliefen dort auf dem Boden, wir dagegen waren fit und nach der Pause war es an mir, die Führung zu übernehmen.

Diese Stunden bis zum Sonnenaufgang waren eine ganz neue Erfahrung. Fährt man im Dunkel dem Rücklicht des Vordermanns hinterher ist es eben “Fahren bei Nacht”. Führt man und ist niemand vor einem, ist es anders. Man hat nur den Lechtkegel vor sich, sieht wenig, fast nichts. Man ist alleine in der Nacht. Eine ganz eigenartige Erfahrung.

Die Piste selbst erforderte die ganze Aufmerksamkeit und wurde die nächsten Stunden auch nicht wirklich besser. Scheinbar hatte man sich die gröbsten Passagen tatsächlich für die Nacht aufgehoben. Irgendwann wurde es hell und wir kamen durch eine Ortschaft. Aus einem Cafè dufteten die frischen Croissants. Eine Aufforderung zum Halten, die wir nicht abschlagen konnten.

22_StatistikGestärkt ging es weiter zur letzten größeren Etappe, der Assietta Kammstrasse. Wenn es an Höhepunkten auf dieser Raid noch einen hinzuzufügen gibt, dann ist es dieser. Langsam schraubt man sich auf 2.400 Meter hinauf, begleitet von einem Blick, den nur das Hochgebirge zu bieten hat.

Schließlich die Abfahrt Nach Sestriere. Ein paar Schmankerl haben die Veranstalter noch eingebaut doch kurz nach Mittag sind wir im Ziel.

Das Resümee: Perfekte Organisation, die Strecken für große Enduros ideal, durch die Nacht zu fahren: Gewöhnungsbedürftig aber durchaus machbar. Insgesamt eine super Veranstaltung mit Wiederholungscharakter.


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