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Krka Enduro Raid 2015

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Die Krka Enduro Raid ist kein Rennen. Es ist ein 2-tägiges Enduro-Event für Motorräder aller Größen.

Eine jeweils ca. 160 km lange Enduro “Soft”- Strecke ist die Basis, die lt. Veranstalter auch für ungeübte Fahrer zu meistern ist. Die Karte links zeigt die Strecken (Rot 1. Tag, Blau 2. Tag). Von der “Soft”- Strecke zweigen “Hard”- Sektion in der Klassifizierung easy, medium und hard ab. Diese sind nur für Sportenduros zugelassen und dort kann, wer will,  auch auf Wertung mit Zeitnahme fahren.

Der Behauptung, dass die Raid auch für ungeübte Fahrer geeignet ist, kann ich mich nicht ganz anschließen. Beim Start am 1. Mai in Primosten, waren etwa 400 Bikes aufgereiht, bis auf ein halbes Dutzend alles Sportenduros.

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Mit meiner R100GS war ich einer der ganz wenigen mit einem schweren 2-Zylinder und so ist auch die Strecke. Etwas Erfahrung sollte man also schon haben. Es geht über teils extrem groben Schotter bis hin zu tiefem Geröll und vor allem die Länge macht einem zu schaffen, wenn man es nicht gewohnt ist, einen ganzen Tag im Stehen zu fahren.

002PrimostenStartBei Regen wird dann nochmal eins oben drauf gesetzt. In der Nacht vom 1. auf den 2. Tag hat es ziemlich geschüttet. Auf den Felspassagen ist es dann glatt, wie auf Schmierseife. Die nasse Erde bildet auf den Steinen einen Film, auf dem der Gummi nicht mehr haftet. Meine TKC 80 waren ziemlich am Limit, zumal in den Schlammpassagen mangels Tempo auch eine Selbstreinigung nicht so richtig einsetzen mag.
Die Streckenführung und die Organsiation sind allerdins absolut top. Der Veranstalter TRXRAID Sagl aus der Schweiz hat eine langjährige Erfahrung mit Events dieser Art und das merkt man eben. Nähere Infos finden sich  >>hier .

Prelo, mein Kumpel hatte mich bereits im Herbst 2014 auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht und damit er endlich Ruhe gibt, habe auch ich mich angemeldet. Teilnehmen wollte ich mit meiner betagten Q, der 100er GS mit der ich alle BMW-Trophys in Deutschland gefahren bin, in Langensteinbach war und die aufgrund der Rahmengeometrie, 21” Vorderrad, usw. immernoch bestens geeignet ist für Events dieser Art. Angereist sind Petra, mein Freundin,  und ich über 2 Tage hinweg durch Slowenien die Kroatische Küste herunter. Fast alle anderen Teilnehmer kommen am Vorabend, die Bikes auf dem Hänger.

Einziger Wermutstropfen für Petra und mich: Unser Apartment war leider 5 km außerhalb von Primosten und zu allen Briefings, zum Essen, zum Treffen mit den Kumpels musste man sich wieder auf’s Bike setzen. Das machen wir in 2016 definitiv anders, denn dass ich wieder teilnehmen werde, steht außer Frage.
Das Briefing am Abend des 30. April war ausführlich und informativ, Fragen gab es danach nicht mehr. Die kamen allerdings bei mir am morgen des 1. Tages auf, als ich das Starterfeld sah. Praktisch ausnahmslos Sportenduros mit martialisch gekleideten Fahrern, zu Allem entschlossen.
Lt. Streckenführung konnte man an fast jedem Punkt “aussteigen”, um auf Asphalt nach Primosten zurückzufahren. Mal sehen, ob ich diese Option wirklich ziehen musste. Mit schweren Enduros im Gelände herumfahren, war ja nicht ganz neu für mich. Die Hard-Sektionen kamen aber wohl tatsächlich mit der Kuh nicht in Frage.

006Tag1MittagUnd so verlief der erste Tag auch vollkommen Problemlos. Wir fuhren in einer Gruppe zu dritt. Torsten mit einer Husaberg, Prelo mit seiner BMW X450GS  und ich bildete mit der alten Dame das Schlusslicht. Da es um rein garnichts ging, entschloss ich mich, auf Materialschonung besonderen Wert zu legen. Die Strecke zeigte sich extrem steinig mit Faust- bis Kindskopf großen Felsbrocken, bei denen es ein Leichtes war, seine Felgen zu ruinieren. Die Kollegen aus der Sportfraktion standen dann auch reihenweise am Wegesrand und flickten Reifen.
Mittags gab es irgendeinen Eintopf in einem Ausflugslokal am Rande des Krka Nationalparks, bevor es anschließend zum Tankstop - für die anderen - und zurück nach Primosten ging.

Zwischen irgendeiner Abzweigung zu einer Hard-Sektion, die Torsten und Prelo fahren wollten, und der Einmündung in den Rundweg verloren wir uns, sodass ich den Nachmittag großteils alleine fuhr. Wobei, alleine ist man ja zum Glück nicht. Ständig fliegt ein Kollege auf einer 350er an einem vorbei und ganz am Schluss fährt dann der “Lumpensammler”.
Um vier Uhr Nachmittags waren wir bereits zurück. Petra saß in Primosten am Wasser, löffelte gemütlich ein Eis und staunte, als wir schon auftauchten. Tatsächlich war meine Schätzung mit einem 30er Schnitt nicht schlecht.
In der Nacht zum 2. Tag kam dann der Regen. Prelo rief mich an und sagte, er fahre heut nicht, es sei ihm zu gefährlich auf den nassen Steinen, außerdem nerve ihn das schlechte Ansprechverhalten seiner X450 auf dem Geröll. Was sollte ich da sagen - aber ok.
Gestartet wird ab 8:00 Uhr in drei Reihen. Wie gestern wollte ich in die dritte, um nicht permanent von den Sportenduros überholt zu werden. Auch, wenn die Strecke meist breit genug war, jedes Überholen bedeutet meist einen Steinregen aus dem Hinterrad des Vorbeifahrenden.
Um kurz nach acht drückte ich Petra, setzte mich auf’s Bike und fuhr auf noch nasser Strasse nach Primosten. Wenigstens hatte es aufgehört zu regnen.
Schon bei der Einfahrt in den kleinen Kreisverkehr wusste ich, dass das nicht gut gehen würde und prompt schmierte das Hinterrad weg.

008Tag2Die Geschwindigkeit, mit der ich stürzte, war nicht hoch aber mein Fuss verkeilte sich irgendwie unter dem Motorrad, sodass ich nicht von der Maschine loskam. Die Endurostiefel verhinderten, dass meinem Knöchel etwas passierte aber das nächst höhere Gelenk, das Knie, kam mit dem Drehwinkel nicht klar. Ich spürte einen stechenden Schmerz - Scheiße!
Beim Aufstehen merkte ich, dass etwas nicht in Ordnung war. Humpelte zu meinem Motorrad und hob es auf. Dem war kaum etwas passiert, nur an der linken Verkleidung war ein Stück abgebrochen, das konnte ich kleben. Doch mein Knie machte mir ernsthaft Sorgen, es tat sau weh. Trotzdem entschloss ich mich, erst einmal zum Start zu fahren, mich zu registrieren und in den noch knapp zwei Stunden Wartezeit zu entscheiden, ob ich den Tag fahre oder nicht.

Deutlich weniger Bikes waren es heute. Prelo erschien garnicht, ein paar Kumpels aus seinem Freundeskreis, verzichteten ebenfalls auf den Start. Ich stellte mich testhalber auf die Fußrasten und machte ein paar Verrenkungen. Das ging, im Stehen Fahren war problemloser, als das Knie anwinkeln. Ich entschloss mich, es zumindest zu versuchen.
Sascha, ebenfalls aus der Wiener Klicke um Prelo entschloss sich daraufhin ebenfalls, seine 750er Afrika Twin zu satteln und zusammen mit Torsten und einem weiteren Kumpel auf einer 450er KTM schoben wir die Bikes um halb zehn zum Start.

011BikeEs ging am Strand entlang und dann fast den ganzen Vormittag in einem deutlich erdigeren Gelände, als gestern Richtung Trogir. Mein Vorderreifen war an der Grenze. Es braucht kein lädiertes Bein, um auf dieser Schmierseife mit dem 240-Kilo Bock ziemlich zu kämpfen. Doch es ging. Wir kamen nicht ganz so hoch, wie gestern, entsprechend seltener waren die Geröllpassagen.
Nach einem doch eher einfachen Mittagessen ging es am Nachmittag über Strecken parallel zur Autobahn zurück, die ein deutlich höheres Tempo, als gestern zuließen. Ob Absicht des Veranstalters oder Zufall, die relativ leichten Pisten am Ende des 2. Tages waren mehr, als angenehm.
Hard-Sektionen fuhren heute deutlich weniger Fahrer. Der rutschige Boden machte es scheint’s allen etwas schwerer heute.
Um drei am Nachmittag schon waren wir wieder zurück. Ich machte einen kurzen Einkehrschwung bei unserem Apartment und sagte Petra, dass wir sie unten am Hafen für ein schichtbeendendes Bier erwarten.
Was ihr genau durch den Kopf ging, als sie mich wieder Richtung Motorrad humpeln sah, weiß ich nicht doch der Nachmittag in der Sonne in Primosten und der Abend mit frischem Brot, Schmankerln und Wein auf unserem Balkon waren traumhaft und der perfekte Ausklang dieses Enduro Wochenendes.


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